Wien als Tor zum Osten? Das war vielleicht einmal – vielleicht vor dem Fall der kommunistischen Regime in Osteuropa. Heute mag man da und dort immer noch an der Illusion festhalten, dass Wien für die Welt das „Tor zum Osten“ sei, die Realität zeigt freilich ein ganz anderes Bild.
Die Wahrheit ist, dass sich mittlerweile Warschau als Tor zum Osten etabliert hat. Konkret: Aus einer Untersuchung von CB Richard Ellis (CBRE) geht hervor, dass Warschau als Business den weltweit mittlerweile zwölften Platz einnimmt. Oder anders ausgedrückt: Von den 280 größten Unternehmen der Welt haben mittlerweile bereits 150 eine Niederlassung in Warschau – das sind immerhin fast 54 Prozent. Und Wien? Hier unterhalten nur 106 der weltgrößten Unternehmen eine Niederlassung. Das reicht lediglich für die 32. Stelle auf der Weltrangliste der aktivsten Businessstandorte der Welt.
Das allein ist freilich noch lange nicht so beunruhigend, wie der Trend, er hinter diesen Zahlen steckt. Denn noch vor einem halben Jahrzehnt war das Verhältnis zwischen Wien und Warschau genau umgekehrt.
Kein Wunder: Heute noch ist der Warschauer Büroimmobilienmarkt flächenmäßig eher mit einer größeren österreichischen Landeshauptstadt, als mit der Hauptstadt einer – auch in Krisenzeiten – boomenden Metropole zu vergleichen. Das Match wird also auch in Zukunft heißen: Warschau versus Wien. Und definitiv nicht: Wien versus Bratislava oder Budapest. Ein Faktor, der nicht unbedingt für die Zukunft der sogenannten Vienna Region spricht…
Umgekehrt: So schlecht ist Wien als Unternehmensstandort nun auch wieder nicht. Denn Rang 32 unter 232 Städten, die hier verglichen worden sind, kann durchaus auch als – noch – recht positiv dargestellt werden. Die Betonung liegt freilich auf dem Wort „noch“. Denn der Trend zeigt derzeit jedenfalls – unabhängig von den immer wieder gerne ins Treffen geführten positiven soft facts der Stadt Wien – in eine andere Richtung. Es sollte also ein heißer Herbst werden, denn dem Vernehmen nach überlegen nach wie vor einige internationale Konzerne, ihre Präsenz in Wien zu Gunsten von Warschau zumindest zu verkleinern.


