Die Turbulenzen am deutschen Fondsmarkt haben nun auch bei den geschlossenen Fonds zu zum Teil einschneidenden Veränderungen geführt.
Seit dem 1. Juni müssen die Banken und Sparkassen geschlossene Fonds analog den bisher geltenden Regelungen zum Wertpapiergeschäft vertreiben. Neben umfangreicheren Pflichten in der Beratung wie der genauen Risikoeinstufung der Kunden sind die Werbematerialien und die erhaltenen Zuwendungen (unter anderem sind damit die Provisionen offen zu legen) auf Ausgewogenheit, Redlichkeit und Verständlichkeit zu prüfen.
Diese Konformitätsprüfung kann das jeweilige Institut selbst vornehmen oder von einem geeigneten Partner vornehmen lassen. Eben das kann auch der Initiator des Fonds übernehmen, wenn rechtliche Voraussetzungen erfüllt sind, die sich auf die Unternehmensstruktur und interne Prüfprozesse des Unternehmens beziehen.
Die Produkte von Initiatoren geschlossener deutscher Fonds sind auch in Österreich erhältlich.
Die Begeisterung der Immobilienfonds-Initiatioren über diese neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen hält sich naturgemäß in Grenzen.
„Der Aufwand zur Umsetzung ist sehr umfangreich, das Ergebnis für unsere Partner aber ganz einfach, denn die Real I.S. kann die unter WpHG-Recht notwendigen Erklärungen zur Konformität und zur Angemessenheit der Zuwendungen selber abgeben“, sagt dazu Andreas Heibrock, Mitglied der Geschäftsleitung der Real I.S. Im Grunde ist damit zu rechnen, dass praktisch alle großen Fondsinitiatioren eine ähnliche Vorgangsweise wählen.Die Vertriebspartner der geschlossenen deutschen Fonds können damit in der Regel die von den Initiatoren zur Verfügung gestellten Werbemittel wie Kurzexposés oder Flyer einfach weiterverwenden und auch ein so brisantes Thema wie die ab sofort gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung der Vertriebsprovisionen ist auf Schiene. Sieht man einmal von der größeren administrativen Belastung ab, haben die neue Regeln aber durchaus Positives. Immerhin ist das ein wichtiger Schritt für die Branche der geschlossenen Fonds weg vom „grauen Kapitalmarkt“ und hin zu einem viel transparenteren Anlageprodukt.
In Österreich sind aktuell keine Veränderungen der Rahmenbedingungen geplant, aber – wie immoflash vertraulich mitgeteilt wurde – „mittelfristig durchaus denkbar“.



