Dem Fertigbau gehört die Zukunft - sagen jedenfalls Erich Benischek (Blaue Lagune), Karl Glockenstein (Glorit) und Christian Steiner (So(u)lnetwork). Selbst der Vertreter von Bau!Massiv!, Robert Stefenelli, kann der Fertigbauweise einiges abgewinnen. War die überraschende Erkenntnis der zweiten immoflash - Diskussionsrunde, die im angenehmen Ambiente des Millennium Towers stattfand.
Das Image der in Teilen vorproduzierten Häuser hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, aus dem „Fertigteilhaus" mit Billigimage wurde das Fertighaus, das sich preislich bei vergleichbarer Qualität kaum noch vom sogenannten „Massivhaus" unterscheidet.
„Während des Krieges wurden aus vorgefertigten Teilen kurzfristig benötige Mannschaftsquartiere errichtet, aus diese Zeit stammte das langjährige Barackenimage der Fertighausbranche, die aber mit der heutigen Situation absolut nichts mehr gemein hat," sagt Karl Glockenstein, der seit vier Jahrzehnten mit seinem Unternehmen Glorit Teil dieser Branche ist und hier auch immer wieder für neue Trends gesorgt hat.
Heute ist jedenfalls keine Rede mehr vom "Haus von der Stange", denn so gut wie jeder Grundriss ist machbar und mehrgeschossige Bauten ebenso.
Glorit beispielsweise, arbeitet bereits an der Planung und Projektierung eines zehngeschossigen Mehrfamilienwohnhauses aus vorgefertigten Holzteilen, Höhen bis 20 Stockwerke sind aber bereits vorstellbar.
Wer von Fertighäusern spricht, denkt fast immer an Holzhäuser, was so nicht stimme, betont der Eigentümer der Fertighaussiedlung „Blaue Lagune" in Vösendorf, Erich Benischek. „Fertighäuser sind aus allen Materialen möglich. Es gibt mittlerweile 16 Technologien beim Fertighaus." Glockenstein kann das nur bestätigen: Wir verwenden auch unterschiedliche Materialien und kombinieren sie vielfach auch."
Holz führt
Dennoch werden auch heute noch gut 80 Prozent der Fertighäuser in Holz errichtet und dieser Anteil wird auch n Zukunft kaum niedriger werden. Denn: Holz ist in der Tat ein Baustoff der Zukunft. Auch wenn es hier ein starkes West-Ost-Gefälle gibt. So ist Holz als Baustoff für die Errichtung von Wohnhäusern praktisch seit Jahrtausenden in Westösterreich „gelernt", schon die Kelten errichteten ihre Häuser - beispielsweise die berühmten Pfahlbauten am Attersee - natürlich aus Holz, während in Ostösterreich die Römer die Ziegelbautradition begründeten.
Glockenstein ist jedenfalls - auch wenn er ebenso auf andere Baustoffe setzte - im Grunde seine Herzens ein sichtbarer Holz-Fan. Holz sei ein erneuerbarer CO2-neutralerer Rohstoff, der aufgrund seines geringeren Gewichts auch im Transport zur Baustelle die Umwelt geringer belaste. Benischek pflichtet dem bei: „Bei Fertighaus-Systemen ist Holz der logische Baustoff, das wird sich auch nicht ändern." Ein Grund dafür sei auch, so Glockenstein, dass es durch die trockene Bauweise bei Holz keine Austrocknungs- und damit auch keine Wartezeiten geben würde.
Modulartiger Aufbau
Wenn es nach Christian Steiner vom So(u)lNetwork geht, ist das Ende der Steinzeit aber auch in Ostösterreich bereits angebrochen. Er hat vor drei Jahren ein modulares Holzbausystem entwickelt, das einen hohen Grad der Vorfertigung bei ebenso hoher Individualität ermöglicht. „Die So(u)lbox ist ein System, bei dem der Bauherr sein Haus ab 30 Quadratmeter aufwärts flexibel kombinierbar planen kann, und zwar in Nullenergie - oder Passivhausqualität." Diese Flexibilität sei einer der großen Unterschiede zu den bisherigen Fertighausanbietern. Ebenso ungewöhnlich ist, dass die Produktion als Netzwerk klein- und mittelbetrieblicher Unternehmen organisiert ist.
Dass Fertighäuser ansonsten nicht individuell realisierbar seien, kann Erich Benischek so nicht stehen lassen: „Natürlich sind auch bei Fertighäusern völlig individuelle Grundrisse und Planungen möglich, allerdings geht dann natürlich der Kostenvorteil verloren. Billiger ist ein Fertighaus logischerweise nur dann, wenn es in größeren Stückzahlen hergestellt werden kann."
Begriffsverwirrung
In der Tat bringt die Diskussion „Fertighaus versus Massivhaus" einiges an Begriffsverwirrung mit sich, wie selbst der Vertreter der Massivhausbranche, Robert Stefenelli von der Interessensgemeinschaft Bau!Massiv! einräumt. „Die Preisunterschiede bei vergleichbarer Qualität sind zwischen Fertighaus und vor Ort errichteten Objekte marginal, wenn es sie überhaupt gibt." Und überhaupt, betont er: „Im Grunde kann es dem Kunden egal sein, ob das Haus aus vorgefertigten Teilen errichtet wird, oder direkt an der Baustelle, solange die Qualität in beiden Fällen stimmt."
Dank vorgefertigter Module sind diese Fertighäuser auf den ersten Blick in den Prospekten möglicherweise zwischen 30 und 50 Prozent preisgünstiger als ein vergleichbares Haus, das vor Ort errichtet wird. Allerdings sind die in den Katalogen angegebenen Fixpreise mit Vorsicht zu genießen. Die genannten Preise sind in der Regel Grundpreise ab Oberkante Keller - oder zumindest Bodenplatte. Und will man etwas umgeplant haben, wird es ohnedies teurer. Unterm Strich ist bei ehrlichem Vergleich, da sind sich der Vertreter beider Branchen überraschend einig, preislich tatsächlich kaum ein Unterschied.
Unterschiede
Wo unterscheidet nun die Fertighaus- von der Massivbranche tatsächlich? In Wahrheit Jahr für Jahr immer weniger. Früher waren Fertigbau und Massivbau in der Tat zwei klar gekennzeichnete Bereiche. Die Fertigbaufirma fügte aus Leichtbauelementen das schlüsselfertige, in Hallen vorproduzierte Haus zusammen, im Massivbau wurde das Gebäude mühsam Stein für Stein vor Ort zusammengefügt. Fertighäuser waren typisiert, Massivhäuser individuell. Eine Grenzziehung, die so nicht mehr stimmt. Mittlerweile kann auch der Baumeister vor Ort auf vorgefertigte Teile zurückgreifen, und umgekehrt lassen sich auch im Fertighauswerk Häuser nach individuell erarbeiteten Plänen herstellen.
Was die Haltbarkeit betrifft hat der Ziegelbau theoretisch die Nase zwar noch vorne, Glockenstein lässt aber auch dieses Argument nicht gelten. Er verweist auf den österreichischen ÖNORM-Ausschuß. Dieser hat bereits vor zehn Jahren festgelegt, dass Wohnhäuser aus Holz bei ordnungsgemäßer Instandhaltung eine Benützungsdauer von mindestens 100 Jahren erwarten lassen müssen. Und in der Praxis sei dieser Wert noch um ein Vielfaches zu übertreffen, wie bestehende Holzhäuser belegen, die 600 Jahre und mehr alt sind.
Was bringt die Zukunft?
Erich Benischek wagt den Blick in die Kristallkugel. „Wir haben in den letzten Jahren in der Blauen Lagune so gut wie alle Trends bei den Fertighäusern erlebt, bis hin zu Außenwänden in pink." Jetzt sei, so erwartet sich Benischek, eher die Zeit des Purismus angebrochen. Viel Luft, Licht und Sonne im Haus, verbunden mit klaren, einfachen Linien. Und für Christian Steiner vom So(u)network ist klar, dass die Zukunft nur Ökologie bedeuten kann, und zwar in jeder Hinsicht. Einerseits werde es eine verstärkte Sensibilität der Menschen für den Einsatz ökologischer Baustoffe geben, die von Beginn der Nutzung an ein angenehmes, gesundheitsförderndes Ambiente sicherstellen. Andererseits werde auch das Energiethema - sowohl von seiner ökologischen wie auch ökonomischen Seite - ein absoluter Megatrend werden. Die Menschen wollen von externer Energieversorgung zunehmend unabhängiger werden, mittels intelligent geplanter und errichteter Wohnhäuser Energie so weit wie möglich einzusparen, wird auch abseits der bekennenden Ökofreaks von Jahr zu Jahr zu einem zentraleren Thema für Häuselbauer.
Und was den Wiederverkaufswert von Einfamilienhäusern betrifft, hat Benischek ebenfalls eine klare Sichtweise: „Nach wie vor bestimmt die Lage einer Liegenschaft den Preis und die Nachfrage. Dahinter kommen tatsächlich bereits die Energiethemen. Die verwendeten Baumaterialien indessen werden da immer mehr zum Nebenthema."
Die Schlacht Fertighaus versus Massivhaus scheint geschlagen zu sein, Holz als Baustoff der Zukunft wird in der Tat eine immer zentralere Rolle spielen. Ein neues Megathema zeichnet sich für die Einfamilienbranche indessen bereits ab: Das Energiethema.



